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AUSFLUG IN DIE GESCHICHTE

     
LUDWIG II., König von Bayern, 1845-1886
Biographien sind ja so eine Sache- meistens sind sie voll mit Jahreszahlen und mehr oder weniger interessanten Fakten. Doch nehmen Sie sich einen Moment und werfen Sie einen Blick auf die Geschichte des Märchenkönigs Ludwig II. von Bayern, glauben Sie uns, sie ist es wert!
Stellen Sie sich vor, Sie sind 18 Jahre alt, müssen einen Thron besteigen und ein Reich regieren und das alles ohne Erfahrung mit politischen Geschäften. Dazu kommt noch, dass Sie sich auch gar nicht wirklich dafür interessieren, denn Literatur, Baukunst, Musik und Theater finden Sie viel spannender. Genau das passiert nämlich dem jungen Ludwig, nachdem sein Vater unerwartet stirbt und er als ältester Sohn die Nachfolge antreten muss. Die Beziehung zu den Eltern war keine gute gewesen, da Ludwigs Vater nicht mit Ludwigs künstlerischem Wesen zurechtkam und außerdem behagte Ludwig das Erziehungskonzept, das seine Eltern für ihn vorgesehen hatten, nicht.
Er flüchtete sich immer weiter in seine Traumwelt, die damit immer mehr zu seiner eigenen Realität wurde. Schon früh befasste Ludwig sich mit literarischen Werken von beispielsweise Schiller oder Shakespeare, und entdeckte seine Begeisterung für Wagner, dessen Oper „Lohengrin“ er im Jahre 1861 erstmals in Begleitung seines sah.
Anstoß für Ludwigs Faszination für die vielen Sagen waren die Wandgemälde, welche sich in der Sommerresidenz der Familie, Schloss Hohenschwangau, befanden. Ludwig II. und seinem Bruder Otto verbrachten im Kinder- und Jugendalter viel Zeit in Hohenschwangau und es wird vermutet, dass Ludwig die Geschichten, die an den Wänden dargestellt wurden, damals bereits Inspirationen zu seinen eigenen späteren Bauvorhaben lieferten.
Nun, das Verweilen in den fantastischen Welten sollte Ludwig nicht vergönnt sein, da er nun mit der tatsächlichen Realität konfrontiert war- der Regierungsalltag wartete. Der junge König fasst den Vorsatz, sich um das Wohlergehen Bayerns zu kümmern, was er auch in seiner Antrittsrede ankündigt.
Zu Beginn seiner Amtszeit versucht er auch, diesen Vorsatz umzusetzen, muss aber bald erkennen, dass er für die Bayern nicht wirklich König, sondern vielmehr der "Mann mit der Unterschrift" ist, der praktisch nur alles billigen soll, was man ihm vorsetzt. Somit bricht der gerade entstandene Traum vom mächtigen König wieder zusammen, er wendet sich bald vom Regierungsgeschehen ab und wieder den Sagenwelten zu.
Diese will er in einem Projekt festgehalten werden, das eines der wohl faszinierendsten Bauwerke der Geschichte hervorbrachte: Schloss Neuschwanstein. Die Burg sollte das deutsche Mittelalter, die maurische Welt Spaniens und die Sagenwelt von Richard Wagners Werken in sich vereinen.
Der Bau des Schlosses schreitet voran, doch alles andere um Ludwig herum beginnt, nach und nach zu verfallen, ausländische Banken drohen mit Pfändung, er kommt seinen monarchischen Pflichten nicht mehr angemessen nach und verweigert rationale Reaktionen auf die an in gestellten Forderungen. Letzten Endes beauftragt die bayrische Staatsregierung den Psychiater Gudden damit, die Regierungsfähigkeit des Königs zu begutachten. Innerhalb kürzester Zeit liegt dieses Gutachten vor. Es befindet Ludwig für seelengestört, Diagnose: Paranoia (Verrücktheit). Daraufhin wird der Monarch entmündigt, an seiner statt wird Prinz Luitpold zum Regenten ernannt. Ludwig selbst ertrinkt kurz darauf im Starnberger See, noch bevor der Bau des Schlosses vollendet ist.